„Fliegen muss nicht a priori teurer werden“

Prof. Dr. Rainer Schwarz, Geschäftsführer FMO Flughafen Münster/Osnabrück GmbH, im Interiew mit dem Wirtschaftsforum Greven.

Prof. Dr. Rainer Schwarz ist seit Februar 2017 Geschäftsführer (CEO) der FMO Flughafen Münster/Osnabrück GmbH. Seit dem 1. März 2020 ist der Flughafen in Kurzarbeit – wegen des Corona-Virus. Das Wifo sprach Mitte Mai mit ihm über das Krisenmanagement am Grevener Flughafen.

Herr Schwarz, Sie haben für den FMO bis Ende des Jahres Kurzarbeit beantragt. Wie ist die Stimmung?

Richtig, wir haben Mitte März für alle Bereiche des Flughafens rückwirkend zum 1. März Kurzarbeit beantragt – zunächst bis Ende 2020. Diese Regelung betrifft die operativen Einheiten ebenso wie die gesamte Verwaltung. Die Mitarbeiter haben super mitgespielt, sodass wir den Flughafenbetrieb sehr schnell runterfahren konnten. Wir haben hier innerhalb von zwei Tagen zugemacht. Und damit meine ich zu: Die Terminalgebäude sind aktuell geschlossen. Wir sind unverschuldet in diese Situation gekommen, daher erleben wir viel Zuspruch – wie zuletzt auch durch das öffentliche Statement des Wifo, über das wir uns sehr gefreut haben. Der FMO ist ein wichtiger Katalysator für unsere Wirtschaftsregion. Die Identifikation unserer Mitarbeiter mit dem FMO ist ebenfalls sehr stark. Wir haben hier schon einiges gemeinsam erlebt. Krisenmanagement können wir.

Wie ist der Stand der Dinge?

Es gibt gute Neuigkeiten: Nach rund zwei Monaten Pause fliegt Lufthansa ab dem 2. Juni von Greven aus wieder nach München. Der FMO ist damit der erste Flughafen in Westfalen, an dem Lufthansa den Verkehr nach München wieder aufnimmt. Die AIS-Airlines startet am 8. Juni wieder Linienflüge nach Stuttgart. Die Verbindung ist besonders interessant für die Zuliefererbetriebe der Automobilindustrie in unserer Region, deren Geschäftsreisende die Flugverbindung schätzen.
Ab Anfang Juni öffnen wir unser Terminalgebäude wieder – natürlich unter Berücksichtigung aller Auflagen. Wir haben hier ausreichend Platz, um alle Fluggäste mit Abstand vom Check-in über die Security bis zum Boarding zu bringen. Gerade der FMO als kleinerer Flughafen kann die nötigen Abstands- und Hygieneregelungen gut umsetzen. Wir haben hinter und vor den Kulissen alles vorbereitet. Sehen werden Fluggäste z. B. die Abstandshinweise auf dem Boden und Trennwände zum Personal an den Schaltern. Fluggäste können am FMO sicher fliegen.

Wird das Fliegen jetzt teurer?

Die Entwicklungen rund um das Coronavirus haben den Luftverkehr drastisch einbrechen lassen. Jetzt nimmt die allgemeine Luftfahrt ganz langsam und vorsichtig wieder Fahrt auf. Wir haben keinen Einfluss auf die Reisebeschränkungen. Die sukzessiven Aufhebungen innerhalb der EU lassen jedoch hoffen, dass auch der touristische Verkehr noch in diesem Sommer ab Juli wieder aufgenommen werden kann. Der Bedarf ist sicher da, weil sich bei vielen ein Reisewunsch aufgestaut hat. Fliegen muss nicht a priori teurer werde – da wird es neue Konzepte geben. Die Schleifspuren der Corona-Krise im Luftverkehr werden aber wohl noch bis 2023 zu spüren sein.

Herr Schwarz, wo fliegen Sie wieder hin, wenn Sie dürfen?

Ich werde hoffentlich bald wieder persönlich zu Geschäftsterminen fliegen, statt an Videokonferenzen teilzunehmen. Da bleibt zwischenmenschlich doch einiges auf der Strecke. Ich glaube, der persönliche Kontakt zwischen Menschen wird neben den digitalen Möglichkeiten auch in der Wirtschaft wieder einen höheren Stellenwert einnehmen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schwarz.

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